Madrigalchor begeisterte mit Oratorium

Es muss nicht immer Bach sein. Auch nicht in der Adventszeit. Und nicht mal beim Weihnachtsoratorium. Schließlich gibt es ja ein solches Werk auch aus der Feder von Camille Saint-Saëns aus dem Jahre 1858. Saint-Saëns war Franzose. Deshalb trägt das Stück, das der Würzburger Madrigalchor jetzt in der proppenvollen Würzburger Karmelitenkirche und in der Volkacher Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus aufführte, auch den französischen Titel „Oratorio de Noël“.

Obwohl sich das Frühwerk von Saint-Saëns mittlerweile einer gewissen Beliebtheit in der Chor-Szene erfreut, ist das Stück noch lange nicht zum bloßen Bildungsgut herabgesunken, wie es beim Bach‘schen Weihnachtsoratorium im Zuge der Bach-Renaissance der Nachkriegszeit längst der Fall ist.

So präsentierte der von Dominik Tremel dirigierte und gesanglich auf hohem Niveau agierende Würzburger Madrigalchor das herrliche Werk mit jener unverkrampften wunderschönen Kantabilität, die für dieses Saint-Saëns-Stück so charakteristisch ist.

Und auch das insbesondere in den Holzbläsern exquisit aufspielende Kammerorchester Grombühl trug maßgeblich dazu bei, dass jener unverwechselbar lyrische Tonfall von Saint-Saëns völlig zu Recht selbst in der Prélude vorherrschte, die zwar im Untertitel Bezug zu Bach nimmt, in Wirklichkeit aber nur in punkto Satz-Typ und Idiomatik dem Leipziger Thomaskantor verpflichtet ist, während Ausdruck und Gehalt des Werkes den Esprit des französischen Barock eines Jean-Baptiste Lully atmen und bereits die reiche Blüte der französischen katholischen Kirchenmusik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ahnen lassen.

Glanzlichter

Für die solistischen Glanzlichter des Konzerts, in dem auch die hübsche Pastoralmesse von Karl Kempter (1819-1871) sehr einfühlsam interpretiert wurde, sorgte mit Virtuosität und Flexibilität die famose Sopranistin Helen Rohrbach.

Souverän und mit vorbildlicher Stilsicherheit präsentierte sich der Bassbariton Felix Rathgeber. Überzeugen konnten zudem die Sopranistin Rebekka Fries, die Altistin Judith Beifuß sowie der Tenor Johannes Strauß, der das Programm mit dem Chor einstudiert hatte und als Zugabe den Luther-Choral „Vom Himmel hoch“ dirigierte, den der Chor herrlich plastisch a cappella sang.

Quelle: Main Post (Frank Kupke), 12.12.2011

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